Ländliche Regionen, in denen sich traditionelle Bau- und
Wohnweisen erhalten haben, sind in Deutschland rar geworden. Eine Ausnahme bildet
das Münsterland mit seinen »Schultenhöfen«. In einem seit 1999 laufenden
Gemeinschaftsprojekt mit dem Westfälischen Freilichtmuseum Detmold hat der
ehemalige Meisterschüler von Bernd und Hilla Becher Martin Rosswog diese im Mittelalter entstandene und nur in Westfalen auftretende Sonderform photographisch
dokumentiert. Als »Schulte« bezeichnete man im hohen Mittelalter die vom Grundherrn
eingesetzten Besitzer großer Haupthöfe, die die Natural- und Geldabgaben der kleineren
Höfe einzuziehen hatten. Schultenfamilien gehörten zur ländlichen Oberschicht und
dementsprechend stattlich und kostbar ausgestattet waren ihre Gehöfte: bis zu 40 m lange sogenannte Hallenhäuser, die Wohnung, Stallungen und Scheune unter einem Dach vereinigten. In seiner photographischen Dokumentation von fünf ausgewählten
Schultenhöfen zeigt Martin Rosswog exemplarisch
auf, was an alten Strukturen und Mobiliar erhalten geblieben ist, welche Veränderungen der Bautyp im Laufe der Jahrhunderte erfuhr und wie sich die heutigen Bewohner in diesem »kulturellen Erbe« eingerichtet haben.
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